Das Vokabular des Glücks…

Mit meinem Blog möchte ich erkunden, wie wir mit eigener Kraft unser Leben verbessern können und sei es nur mittels kleinster Veränderungen. Welche Rolle spielen bspw. Kommunikation und Sprache für uns? Kann es sein, dass die Worte, die wir für gewöhnlich in unserem Alltag verwenden, größere Bedeutung für uns und unsere Gefühlswelt haben als wir bislang angenommen haben?

Die Macht der Worte

Es kennzeichnet viele einflussreiche Menschen aus, dass sie um die Macht der Worte wissen. Sie sind in der Lage, andere Menschen mit ihren Worten in den Bann zu ziehen. Man denke nur an Martin Luther King und seine berühmten Worte „I have a dream“. King´s Rede ist unwiderruflich mit diesen Worten verknüpft und seine Worte besitzen auch heute noch das Potential, Emotionen in Menschen hervorzurufen. Wenig verwunderlich, dass die Rede damals die Menschen inspirierte und dazu mobilisierte, sich gegen Rassenunterschiede aufzulehnen. Aber nicht nur dieses Beispiel zeigt, welche Kraft Worte besitzen können. Auch im Alltag erfahren wir, wie aufmunternde Worte uns glücklich, diskriminierende Worte uns verletzen, kurz, wie Worte unsere Gefühle beeinflussen können.

Worte als Vehikel unserer Erfahrungen

Wir können nicht anders als stets durch und mit Worten zu kommunizieren: sei es im internen Dialog oder im Gespräch mit anderen Menschen. Stets bewerten und beurteilen wir durch unsere Sprache, verpacken damit unsere Erfahrungen. Sie sind unser Mittel, Erlebnisse einzukleiden. Damit geben wir gedanklich wieder, was uns widerfahren ist. Worte lassen vor unserem inneren Auge Bilder entstehen. Sie können uns Bilder aus der wirklichen Welt in Erinnerung rufen oder aber neue Bilder schaffen, die nur in unseren Gedanken existieren. Im Gegensatz dazu: was wir nicht in Worte fassen können, damit können wir keine Erfahrungen verknüpfen. Die Dinge, für die uns das Vokabular fehlt, das kennen wir nicht. In wessen Sprachgebrauch bspw. der Begriff der „Langweile“ nicht vorkommt, der wird keine Entsprechung in seiner Erfahrung dazu finden können.

Ungenutztes Potential?

Die Wahl der Worte beeinflusst, welche emotionalen Reaktionen bei uns hervorgerufen werden: so wird ein amtlicher Bescheid, der in nüchterner Beamtensprache gehalten ist, kaum unser Herz zum Springen bringen. Wohingegen der Liebesbrief mit blumigen, emotionsgeladenen Begriffen dies vermag. Obwohl sich beide Texte der deutschen Sprache bedienen, rufen sie unterschiedliche Assoziationen und Gefühle in uns hervor. Der Sprache wohnt demnach ein größeres Potential inne, als wir uns bewusst sind. Und doch lassen wir dieses allzu oft brachliegen, statt daraus einen Nutzen zu ziehen. Wir  verwenden von der Bandbreite des uns zur Verfügung stehenden Vokabulars nur einen Bruchteil: Laut Duden beinhaltet der Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache in seinen Grundformen zwischen 300 000 und 500 000 Wörter. Der aktive Wortschatz eines deutschen Durchschnittssprechers wird heute auf 12 000 bis 16 000 Wörter (davon etwa 3 500 Fremdwörter) geschätzt. Die Wörter, die der Sprecher aktiv verwendet und die es ihm ermöglichen, sich verständlich auszudrücken machen also gerade mal 3% des deutschen Wortschatzes aus. (Der passive Wortschatz, also die Wörter, die der Sprecher kennt oder erkennt beträgt im Gegensatz dazu mindestens um die 50 000 Wörter).         Je größer jedoch das Arsenal an Worten, mit denen wir unsere Erfahrungen beschreiben können, desto bunter wird auch unser Leben sein. Warum immer nur zum blauen Pinsel greifen, wenn wir doch in den Farben des Regenbogens malen können!

Aber nicht nur die Quantität, auch die Qualität unserer Worte ist entscheidend. Wir realisieren nicht, wie wir uns durch unsere eigene Wortwahl selbst sabotieren können. Denn die Worte, die wir für gewöhnlich wählen, wirken sich auch auf die innere Kommunikation aus. Sie beeinflussen, wie wir uns fühlen. Bei der obligatorischen Frage nach dem Wohlbefinden gehen wir nicht davon aus, dass der Fragesteller eine ausführliche Darstellung unseres Seelenzustandes erwartet. So erwidern wir meist unüberlegt mit „Ganz gut“, „Soweit“, „Muss“, etc. Die Aussagen, die wir hier treffen, geben wir jedoch als Feedback an uns selbst zurück. Warum also nicht mit diesem kurzen Frage- und Antwortspiel zumindest einen kleinen Einfluss auf unser eigenes Wohlbefinden nehmen?! Statt uns nur „ganz gut“ zu fühlen, könnten wir mit „es könnte nicht besser sein“ antworten und überprüfen, ob sich das nicht besser für uns anhört.

Kleine Änderung, große Wirkung?

Große Macht übt das richtige Wort aus. Immer, wenn wir auf eines dieser eindringlichen, treffenden Worte stoßen, ist die Wirkung physisch und geistig…“ Mark Twain

Es mag trivial klingen, doch sind die Begriffe, die wir häufig verwenden ausschlaggebend dafür, mit welchem Gefühl wir durch das Leben gehen. Unsere Wortwahl verrät darüber hinaus wie wir (unbewusst) mit Beziehungen, Erlebnissen, Herausforderungen umgehen. Das Lernen neuer Aufgaben kann entweder „kein Zuckerschlecken“ oder „ein Kinderspiel“ sein, das Leben „ein Geschenk“ oder „ein Kampf“. Unser Vokabular beeinflusst, welche innere Einstellung wir besitzen und wie wir letztlich an diese Dinge herangehen. Wir können Einfluss auf unsere Lebensqualität nehmen, wenn wir die Kontrolle über unser Vokabular ausüben. Schließlich sind wir es, die in der Kommandozentrale sitzen, die der Kapitän unserer Sprachwelt sind!

Indem wir unsere Wortwahl ändern, können wir stark negativ aufgeladene Emotionen abschwächen. Belastenden Gefühlen kann so etwas der Wind aus den Segeln genommen werden: „ernüchtert“ klingt weniger stark als „wütend“. Statt sich „deprimiert“ zu fühlen, ist man vielleicht „nicht ganz auf dem Damm“, statt „besorgt“ fühlt man sich einfach nur „unbehaglich“. Positive Emotionen hingegen können wir verbal verstärken: wie klingt bspw. „unbesiegbar“ im Gegensatz zu „stark“, wie „beschwingt“ zu „glücklich“?

Nicht alle Worte entfalten jedoch die gleiche Wirkung auf alle Menschen. Daher sollten ein jeder selbst Worte finden, die auf ihn/sie inspirierend wirken. Dazu lohnt es sich, eine Bestandaufnahme durchzuführen: welche Worte finden sich in deinem Sprachrepertoire, die sich negativ auf dein Wohlbefinden auswirken? Wie könntest du solche destruktiven Worte abschwächen? Findest du andere, positivere dafür? Wie kannst du solche, die gute Gefühle auslösen, intensivieren, indem du sie durch Worte ersetzt, die dich noch mehr beflügeln?

Mich würde interessieren, wie deine Beobachtungen ausfallen, wenn du bewusst darauf achtest, welche Worte du in deinem Alltag häufig verwendest. Kannst du einen Zusammenhang zwischen deinem Vokabular und deinem Wohlbefinden sehen? Lass es mich in den Kommentaren wissen!

 

 

 

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