„Wer ist deine persönliche Heldin?“

Helden geben Orientierung, Ermutigung und Kraft. Dementsprechend ernüchtert musste ich feststellen, dass mir auf Anhieb keine Antwort auf obenstehende Frage eingefallen ist.

Jungen und männliche Erwachsene können aus einem großen Pool männlicher Vorbilder schöpfen, die ihnen durch Film, Fernsehen und auch in Büchern angeboten werden. Batman, Superman, X-Men… die Liste männlicher Superhelden ließe sich beliebig fortsetzen.

Betrachtet man aber deren weibliche Konterparts, so sieht die Realität recht mau aus.

Das bedeutet nicht, dass die Filmindustrie nicht ihr Bestes täte, um auch diese Nische zu bedienen. Im Gegenteil: Figuren wie Catwoman, Wonder Woman, Lara Croft, usw. sollen unter Beweis stellen, dass auch Frauen Power besitzen.

Bei genauerem Hinschauen fällt jedoch auf, dass diese Actionheldinnen hauptsächlich männliche Attribute verkörpern. Von ihren männlichen Artgenossen unterscheidet sie nur ihre körperliche Hülle…

„Die weibliche Actionheldin ist ein Sinnbild der Emanzipation und der Versuch die Frage der Frau zu beantworten, wie sie ihre Weiblichkeit bewahren kann, während sie gleichzeitig die Eigenschaften des typisch männlichen Helden absorbiert.“ 1

Kein Wunder, dass es mir in der Rückschau so schwerfällt, Frauenbilder zu nennen, die mir in der Kindheit und Jugend als Vorbild gedient hätten.

Auch wenn die Auswahl nicht klein ist, so hatte doch keine dieser Figuren nachhaltigen Einfluss auf mich oder mein Leben.

Ich wollte wissen, ob ich damit alleine bin oder ob es anderen Frauen auch so ergeht wie mir und startete eine Recherche.

Auf meine Frage, welche Heldinnen sie aus Kinderzeiten nennen könnten, nahmen folgende Figuren die vorderen Plätze ein: Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter, Bibi Blocksberg.

Doch was taugen diese Mädchen als „Heldenfiguren“?

Was ist ein Held, eine Heldin überhaupt?

Joseph Campbell hat sich eingehend mit dieser Thematik beschäftigt. In seinem Werk „Der Heros in tausend Gestalten“ hat er Helden in Mythen, Sagen, Märchen und Religionen auf der ganzen Welt miteinander verglichen und daraus ein einheitliches Grundschema destilliert.

Danach ereignen sich die Taten eines Helden auf einer Heldenfahrt oder Heldenreise. Campbell sah in dieser Heldenreise eine archetypische Grundstruktur, der nahezu alle Mythen und Legenden folgen.

Ein prominentes Beispiel ist das des Drachentöters. Diese Figur findet sich in Mythen, Sagen, Legenden und Märchen vieler Kulturen, außerdem in modernen Genres wie Fantasy und Rollenspiel. Der Held steht hier für großen Mut und dafür, dass er das Böse überwindet, indem er einen mythischen Drachen besiegt. Durch seine Tat befreit er die Menschen aus der Umgebung vor Überfällen und Verwüstungen durch den feuerspeienden Drachen oder aus einer langanhaltenden Dürre. Manchmal rettet er (Jung)Frauen aus der Gefangenschaft in der Drachenhöhle oder gewinnt Zugang zu einem Schatz, der vom Drachen verwahrt und bewacht wurde.

Dieser Archetyp des Helden zeichnet sich dabei durch seine besondere körperliche Stärke aus, seine Durchsetzungsfähigkeit im Kampf, dadurch, dass er über seine Feinde triumphiert. All das sind hauptsächlich männliche Ideale und Tugenden. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der in Geschichten auftauchende Held klassischerweise männlich ist: Weibliche Helden sind als Hauptcharaktere in alten Fabeln und Mythen stark unterrepräsentiert. 2

Ein Grund scheint zu sein, dass sich Frauen nur bedingt für diese Geschichten „eignen“. Sie sind weniger „aktiv“, wenn es darum geht, ihre Ziele zu verfolgen und selten erreichen sie diese mit Hilfe körperlicher Stärke. 3

Eine Frau kann demnach nicht nach den gleichen Stärken und Tugenden beurteilt werden wie ihr männlicher Konterpart. Sie besitzt eigene Stärken und Tugenden.

Unglücklicherweise sind dies aber nicht die, die die moderne Filmheldin verkörpert. Wonder Woman, Xena, Lara Croft, She-Ra und all die anderen   besitzen übernatürliche Kräfte während sie dabei extrem sexy daherkommen. Letztlich erreichen sie ihre Ziele aber meist auf dem gleichen Weg wie die männlichen Helden: nämlich durch Anwendung physischer Stärke.

Da ist es nicht verwunderlich, dass es für die wenigsten Frauen ein Ziel ist, sich unter diesem Begriff der „Heldin“ einzureihen.

An dieser Stelle muss man sich diese Frage stellen: Gibt es denn überhaupt Heldentaten, die von Frauen erbracht werden?

Alice H. Eagly der Northwestern University und Selwyn W. Becker der University of Chicago waren irritiert ob der Tatsache, dass in Mythen und Religionen fast ausschließlich männliche Heldentaten porträtiert werden. Dabei war das nicht immer so gewesen: in den ganz alten Mythen waren noch beide Geschlechter als Heldenfiguren und Gottheiten vertreten (Isis, Ishtar, Demeter, Cybele, Cerridwen). Mit dem Aufkommen des Monotheismus verschwanden diese weiblichen Gottheiten aber zunehmend.

Eagley und Becker wollten dem überwiegenden Konsens auf den Zahn fühlen, ob der Held tatsächlich unbestreitbar männlich ist. 4.

Folglich unternahmen sie eine Studie um zu untersuchen, in welchem Ausmaß sich Männer und Frauen in der gelebten Realität in risikobehaftete Situationen begeben und inwieweit sie dabei heroische Taten vollbringen.

Eine Heldentat definierten sie zunächst als eine Tat, bei der jemand freiwillig ein Risiko eingeht, um einer Einzelperson oder einer Gemeinschaft zu helfen. Ein Risiko liegt dann vor, wenn der Helfende auf die Gefahr hin handelt, selbst getötet oder verletzt zu werden. Altruismus alleine ist nicht erforderlich. Das Ausüben einer Extremsportart hingegen fällt nicht unter eine Heldentat, mag sie noch so risikobehaftet sein. Hier fehlt es an dem Benefit für andere.

In ihrer Studie beschränkten sich Eagly und Becker auf Situationen, in denen Männer und Frauen die gleichen Chancen hatten zu helfen. Sonderfälle wie bspw. Kriegseinsätze nahmen sie demnach aus, da ein Großteil der Soldaten nach wie vor männlich ist.

Carnegie Medaille:

Dabei verglichen sie bspw. die Anzahl der Männer mit der von Frauen, die mit der Carnegie Medaille ausgezeichnet wurden. Diese wird Zivilisten verliehen, die freiwillig ihr eigenes Leben riskierten, um das eines anderen, fremden Menschen zu retten. Ausgezeichnete Taten umfassten Rettung vor Feuer, Ertrinken, Tierattacken oder menschlicher Übergriffe und Überfälle. Insgesamt also sehr risikoreiche Unterfangen – verdeutlicht wird das dadurch, dass 20% der Medaillen posthum verliehen wurden.

Im Ergebnis zeigte sich, dass die Anzahl der männlichen Medaillenträger, die der weiblichen deutlich überwiegt: bis 2003 waren nur 8,9 % der Ausgezeichneten Frauen. 

Die Liste der Gerechten unter den Völkern (Righteous Among the Nations):

Seit 1953 zeichnet der Staat Israel Menschen als „Gerechte unter den Völkern“ aus: Menschen, die zwischen 1933 und 1945 große persönliche Risiken in Kauf nahmen und dabei ihr Leben in Gefahr brachten, um von der Deportation in Arbeits- oder Vernichtungslager bedrohte Juden zu schützen. Die Liste enthält nach Herkunftsländern geordnet Personen, die sich während der Zeit des Nationalsozialismus für die Rettung von Juden einsetzten.

Die Folgen ihres Handelns waren den „Rettern“ bewusst und das Risiko, selbst getötet zu werden dementsprechend hoch. Im Gegensatz zu den „Carnegie-Medaillenträgern“ kam es hier aber nicht nur auf physische Stärke an. Die Rettungshandlungen waren subtiler und konnten in „Verstecken, Flucht Beihilfe und (medizinischer) Versorgung“ bestehen.

Von den Personen, die der Staat Israel als Gerechte unter den Völkern ausgezeichnet hat, sind mehr als die Hälfte Frauen (Polen 57%, Niederlande 52,9%, Frankreich 55,6%).

Zwischenergebnis:

Die „Gefährlichkeit“ einer Rettungstat alleine bestimmt also nicht, ob eher Männer oder Frauen bereit sind, dieses Risiko einzugehen. Wohl aber scheinen körperliche Konstitution Motivation eine Rolle zu spielen:

Männer sind generell risikoaffiner als Frauen. Ein Mann wird eher als „waghalsig, abenteuerlustig und risikobereit“ definiert. Zudem sagt man ihnen nach, dass sie bei Gefahr eher einen „kühlen Kopf“ bewahren können als Frauen.

Frauen hingegen scheuen eher körperliche Konfrontationen.

Das rührt hauptsächlich daher, dass Männer mit einer anderen Physis ausgestattet sind. Zusätzliches Handicap für eine Frau ist die Möglichkeit einer Schwangerschaft, was sie noch „verwundbarer“ macht.

Diese Unterschiede lassen sich auch aus evolutionärer Sicht betrachten und machen in diesem Kontext Sinn:

vorzeitliche Männer standen in großer Konkurrenz zueinander, wenn es darum ging, eine Partnerin abzubekommen. Derjenige, der bereit war, ein höheres Risiko einzugehen und sich mit den anderen Männchen zu messen, erhöhte nicht nur seinen Status, sondern auch seine Möglichkeiten, sich fortzupflanzen.

Eine Frau hingegen lernte, dass es klug ist, diese Risiken zu vermeiden. Ihr eigenes Überleben hatte schließlich große Bedeutung für das Leben ihrer Abkömmlinge und Familie.

Das zeigt sich darin, dass für Frauen meist das Wohlergehen anderer sehr wichtig ist. Sie legen demnach mehr Wert darauf, für andere zu sorgen. Ihr Handeln wird oft von altruistischen und ethischen Gründen motiviert.

Männer lassen sich eher von „Belohnungen“ leiten, die die eigene Position innerhalb einer Hierarchie fördern und mit einem höheren Status und mehr Macht einhergehen.

Zwar fördert die Gesellschaft und die Erziehung solche Wesenszüge, aber die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind nicht rein kulturell bedingt, wie die Auswertung von Persönlichkeitstest ergab.

Männer schneiden im Bereich der Verträglichkeit durchschnittlich schlechter ab als Frauen:

Verträglichkeit in erster Linie ein Faktor, der interpersonelles Verhalten beschreibt: Ein zentrales Merkmal von Personen mit hohen Verträglichkeitswerten ist ihr Altruismus. Sie begegnen anderen mit Verständnis, Wohlwollen und Mitgefühl, sie sind bemüht, anderen zu helfen, und überzeugt, dass diese sich ebenso hilfsbereit verhalten werden. Sie neigen zu zwischenmenschlichem Vertrauen, zur Kooperativität und zur Nachgiebigkeit.

Personen mit niedrigen Verträglichkeitswerten beschreiben sich im Gegensatz dazu als streitbar, egozentrisch, misstrauisch und antagonistisch gegenüber den Absichten anderer Menschen. Sie verhalten sich eher wettbewerbsorientiert als kooperativ. 5

Geringere Verträglichkeit ist assoziiert mit einem geringeren Mitgefühlsempfinden und einer weniger stark ausgeprägten Empathiefähigkeit. Die tendenziell „weniger verträglichen“ Männer scheuen daher in der Regel nicht vor Konflikten zurück. Sie sind weniger anfällig für Angststörungen und Depressionen und es fällt ihnen leichter, für eine „Idee“ zu kämpfen. Ihr Interesse daran ist stärker ausgeprägt als das der Frauen, für die der Mensch mehr im Vordergrund steht. 6

Untermauert wird diese These von den „biologischen Unterschieden“, wenn man Länder betrachtet, in denen die Geschlechtergleichheit am weitesten  und gefördert wird:

Paradoxerweise zeigen sie sich nämlich dort am stärksten!

In Skandinavische Länder, wo freie Wahl und Entscheidungsfreiheit herrscht, wählen Männer eher typisch „männliche Berufe“ (mehr Ingenieure als Krankenpfleger), Frauen eher typisch weibliche Berufe. 7

Männer und Frauen scheinen in manchen Belangen einfach unterschiedlich zu sein

Daher ist es nicht verwunderlich, dass diese Unterschiede auch bei den dokumentierten Heldentaten durchschlagen.

Männer können sich dann vermehrt auszeichnen, wenn körperliche Stärke und impulsives Handeln gefragt sind. Sich in der Öffentlichkeit beweisen zu können, hat für ihren Status und   Ansehen eine größere Wichtigkeit als für Frauen.

Diese „verstecken“ ihre Taten gerne und Heldenhaftes geschieht oft im Privaten und aus humanitären Gründen.

Männliches Handeln ist eher „ideologisch“ motiviert. Ihre Verbindung zu anderen Menschen wird mehr „gruppenorientiert und kollektiv“ charakterisiert. Frauen hingegen haben größere Affinität zu ihnen bekannten und nahestehenden Personen. 

Das bedeutet demnach nicht, dass Frauen nichts Heldenhaftes leisten könnten. Es liegt vielmehr in der Natur der Taten, dass diese weniger geeignet sind, dokumentiert und für die Nachwelt konserviert zu werden.

Ein Held ist demnach nicht nur derjenige, der sein eigenes Epos bekommt, sondern „Der Held steht sinnbildlich für jemanden, der eigene Opfer erbringt und Risiken eingeht, um anderen Menschen zu helfen.“ 8

Ähnlich beurteilt auch der klinische Psychologe Dr. Jordan B. Peterson den Archetypen des Helden:

Ein Held verkörpere zwar „maskuline“ Prinzipien, das sei aber nicht gleichbedeutend damit, dass diese Figur männlich sei.

Jeder Mensch trage maskuline und feminine Prinzipien in sich:

Das weibliche Prinzip hat mehr Interesse am Inneren, an der Seele, dem Formlosen, tieferen Gefühlen, Intuition, Verbindung, Harmonie und Schönheit im Allgemeinen.

Das männliche Prinzip hingegen interessiert sich mehr für das Außen, den Geist, die Gestalt, die Idee, Bewegung und Tun, Benennung und Differenzierung. Es setzt mehr aufs Tun als auf Beziehungen und Nähe.

Das „maskuline Prinzip“ des Bewusstseins:

Das Bewusstsein schließlich – dabei beruft er sich auf Erich Neumann und C.G. Jung – sei ein maskulines Symbol/Prinzip, egal ob man sich dabei auf Männer oder auf Frauen beziehe.

Bewusstsein bedeutet, dass wir nicht schlafwandelnd durch das Leben gehen, sondern dass wir es mit all seinen Sonnen- und auch Schattenseiten annehmen. Das beinhaltet, zu akzeptieren, dass Leiden ein unausweichliches Element im Leben ist. Es bedeutet aber auch, sich der Möglichkeiten bewusst zu sein, etwas daraus zu machen, indem man jeden Tag etwas besser macht, das eigene Leben so tugendhaft wie möglich lebt und so dem Leben etwas zurückgibt. Bewusstsein ist eng gekoppelt mit der Übernahme von Verantwortung.

Bewusstseinswerdung in Märchen:

Dieses Erwachen, die Bewusstseinswerdung zeigt sich metaphorisch bspw. bei „Dornröschen“:

die Hauptfigur dieses Märchens, Dornröschen, ist „unbewusst“. Aus Angst um ihre Tochter sind die Eltern übervorsichtig und sie versuchen, Dornröschen von sämtlichen Gefahren abzuschirmen. Aufgrund dieser Übervorsichtigkeit ist sie ein schwaches, da unselbständiges Geschöpf. Der tiefe Schlaf, in den Dornröschen schließlich  teht symbolisch für ihre „Unwissenheit“ und „Unbewusstheit“.

Erst das Erscheinen des Prinzens kann sie aus diesem Schlaf erwecken. Der Prinz ist dabei das maskuline Prinzip der Bewusstseinswerdung. Es ist der Mann, der sie rettet, aber auch der, der sie von ihrer Unbewusstheit befreit. Durch das sprichwörtliche Erwachen entdeckt Dornröschen diese maskuline Seite in sich. Eine Frau braucht dieses Bewusstsein, um gerettet werden zu können. Der Prinz kann daher der Liebhaber, aber auch ein Symbol für ihre eigene aufmerksame Wachsamkeit/Bewusstseinszustand, das Gewahrsein der eigenen Lebensvision, entschlossene Unabhängigkeit darstellen.

Dornröschen gelangt durch den Prinzen zu „Bewusstsein“ und ist bereit, eigenständig Verantwortung für sich und ihr Leben zu übernehmen. Sie löst sich damit von den Fesseln ihrer übervorsichtigen Eltern und tritt den Herausforderungen des Lebens eigenständig entgegen.

Das zeigt, dass eine Frau, um „komplett“ zu werden, eine Beziehung zu dem männlichen Prinzip der Bewusstseins-Werdung eingehen muss.

Nur so kann sie ihren Platz in der „bedrohlichen“ Welt finden, indem sie sich selbst behauptet und für sich einsteht. Dabei kann ihr ein Mann zur Seite stehen, aber es ist besser für sie, wenn sie nicht zu abhängig davon ist.  

Das Leben: Chaos und Ordnung

Bewusstsein, das geht einher mit der Erkenntnis, dass sich das Leben aus Chaos und Ordnung zusammensetzt.

Ordnung, das sind die Bereiche in unserem Leben, die uns wohlbekannt sind, in denen wir uns geborgen fühlen. Chaos hingegen ist all das Unbekannte, das mitunter auch bedrohlich sein kann.

Es ist aber genau diese Schwelle zwischen dem bekannten und dem unbekannten Terrain, in dem wir Menschen aufblühen, unser Potential entdecken und entwickeln können. Im Chaos lauern Gefahren, aber auch Möglichkeiten. Dort verbergen sich die Möglichkeiten, zu lernen und zu wachsen.

Held, neu definiert

Ein Held ist demnach die Person, die sich nicht davor fürchtet, sich ihren eigenen inneren Dämonen zu stellen. Eine Person, die bereit ist, das Unbekannte zu erforschen, sich ihrer eigenen Talente und Stärken bewusst zu werden.

Für eine Frau bedeutet das, dass sie ihre angeborenen männlichen Eigenschaften nutzen kann, ohne maskulin aufzutreten. Sie kann beispielsweise Initiative und Logik zeigen und dabei gleichzeitig ihre Weiblichkeit bewahren.

Denn wahre Stärke ist weder maskulin noch feminin, sondern einfach nur menschlich! 9

Legt man all diese Erkenntnisse zugrunde, dann wird deutlich, warum es mehr männliche denn weibliche Helden gibt. Es ist einfach „spannender“ darüber zu berichten, wenn jemand mit schierer körperlicher Stärke Feinde besiegt denn darüber, wie jemand seine Familie rettet, indem er sie bspw. unbemerkt aus der Gefahrenzone bringt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass es für uns Frauen nicht auch Vorbilder und Heldinnen gäbe. Es gelten aber schlicht andere Maßstäbe. Hollywood scheint nicht der rechte Ort zu sein, danach zu suchen.

Das „richtige Leben“ hingegen hält viele dieser Vorbilder bereit. Frauen, die sowohl weibliche Attribute zur Schau tragen als auch Stärke unter Beweis stellen. Frauen, mit einer Mischung aus Verletzlichkeit, Sanftheit, Aufopferungsbereitschaft und Weiblichkeit auf der einen Seite und Selbstbewusstsein, Unabhängigkeit und Verantwortungsbereitschaft für sich und andere auf der anderen Seite.

Diese Frauen tun das, was richtig ist und nicht das, was nur ihnen unmittelbar nutzt.

Kurz: Frauen, die ihre maskuline Seite entdeckt haben, indem sie bereitwillig Verantwortung für sich und andere übernehmen. Solche, die damit dem Chaos des täglichen Lebens trotzen und die Welt nicht nur für sich, sondern auch für ihr Umfeld zu einem besseren Platz machen.

Und was ist nun mit Pippi, Ronja und Co.?

Um zum Ausgangspunkt zurück zu kehren: auch wenn ich mich selbst an den Geschichten dieser Fernseh-„Heldinnen“ erfreut habe, war doch keine dieser Figuren dazu geeignet, mir als uneingeschränktes Vorbild zu dienen. Deren Mut, Stärke und Wille zur Unabhängigkeit sind bewundernswert und doch fehlen bestimmte Attribute, die jemanden zu einem „Helden“ werden lassen: die Bereitschaft, eigene Opfer zu erbringen und Verantwortung zu übernehmen. Die Fähigkeit, sich dadurch selbst zu verwandeln/zu transformieren, um die Welt für sich und andere besser zu machen. Ronja, Pippi und Co. befreien sich zwar von gewissen Fremdbestimmungen, aber ihr Handeln dreht sich vielmehr um sie selbst. Pippi will Abenteuer erleben, Ronja keine Räuberin sein. Ein Heldenleben kann sich aber niemals nur um sich selbst drehen.

Auch meine kleine Umfrage bestätigte diese Einschätzung. Viele nannten private Vorbilder und Alltagsheldinnen wie z.B. ihre Mutter, Großmutter, Tante, Frauen mit mehr Lebenserfahrung und all diejenigen, die ihre Lebenssituation gut meistern. Frauen die nicht nur das tun, was für sie persönlich nützlich ist, sondern das, was auch das Richtige für andere Menschen ist. Sie haben ihren Weg gefunden und verfolgen diesen. Dabei gehen sie aber trotzdem nicht über Leichen, sondern sie haben sich ihre „weibliche Liebenswürdigkeit“ bewahrt.  

Wenn wir also nach einem Leuchtturm suchen, der uns in der immer verwirrender werdenden Zeit Ordnung bietet, so müssen uns nicht an das halten, was Film und Fernsehen uns verkaufen wollen. In eines jeden Leben wird es genügend Menschen geben (Frauen wie Männer), die uns Ideen, Anregungen und Halt geben und die mehr Relevanz haben, als Wonder Woman und Superwoman dies jemals haben können.

What Does It Mean to Be a Real-Life Hero?

“In times of radical uncertainty, it’s necessary that the Hero be born.

Because the Hero is the person who doesn’t deal with something specific, the Hero is the person that deals with Uncertainty itself. And that’s the Great Dragon of Chaos.

What’s necessary is for the individual to become prepared for anything and everything, and the way that you do that is by developing your character.“ – Jordan Peterson

  1. Eva Illouz (2013): Die neue Liebesordnung. Frauen, Männer und Shades of Grey
  2. Female protagonists were significantly under-represented as main characters. Overall, male main characters outnumbered female main characters by a factor of three (inter-coder reliability 81%).
  3. She achieves her goals through different means than the male protagonist: she is less likely to actively pursue her goals and she is less likely to achieve them in ways requiring conspicuous courage or physical heroism. She is solicitous of her family’s well being, devoting much energy to promote the welfare of her close kin.
  4. „The hero is undeniably he, the male of the human species“ Lash, J. (1995). The hero: Manhood and power, page 5
  5. Quelle: Wikipedia
  6. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18179326
  7. https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&ved=2ahUKEwjXhK7PqLnhAhWHr6QKHZKKAtUQFjAAegQIBRAC&url=https%3A%2F%2Fwww.oecd.org%2Fsweden%2FClosing%2520the%2520Gender%2520Gap%2520-%2520Sweden%2520FINAL.pdf&usg=AOvVaw3AmwDcUEWgowUn2MWkjMls
  8. James Bonnet, Stealing Fire from the Gods
  9. Zitat: Sascha Fast

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