Interview mit Jelena Lieberberg von Kick Ass Yoga

Die Welt der „Bewegung“ ist voller inspirierender Menschen. Auf meiner Entdeckungsreise habe ich das Glück, immer wieder auf solche Menschen zu treffen, die auf ihre besondere Art und Weise „Bewegung“ lieben und leben.

Jelena Lieberberg ist ein solcher Mensch. Sie ist das Gesicht, das hinter „Kick Ass Yoga“ steckt.

Geboren in Duisburg, arbeitete sie zunächst als Moderatorin bei Viva. Auch persönlich leistete sie einen Beitrag zur Musikszene, indem sie selbst eine Platte aufnahm. Schon als Kind von Yoga fasziniert, ließ sie sich schließlich zur Yoga-Lehrerin und Heilpraktikerin ausbilden.

Mittlerweile lebt sie mit ihrer Familie in Berlin. Dort unterrichtet sie nicht nur Yoga: ich habe Jelena als wahres Energiebündel kennengelernt und so verwundert es nicht, dass die zweifache Mutter auch noch als Autorin, Heilpraktikerin, Sängerin, und Sprecherin tätig ist.

Mein erster Kontakt mit Jelena und ihrem „Kick Ass Yoga“ erfolgte vergangenes Jahr auf der Free Arts of Movement Convention in München. Zum allerersten Mal besuchte ich dort eine angeleitete Yogastunde. Hatte ich zuvor Bedenken und Berührungsängste, so waren diese dank Jelena danach beiseite geräumt. Sie zeigte Posen und Haltungen, die für Anfänger wie auch Fortgeschrittene gleichermaßen geeignet waren. Und noch viel wichtiger, sie vermittelte, dass Yoga Spaß machen kann und soll. Ein jeder kann Yoga machen, indem er einfach da anfängt, wo er gerade steht. Komplizierte Asanas sind kein Hindernisgrund, Yoga zu versuchen.

Dank Jelenas motivierender Art (und Mithilfe ihrer Mitmach-Videos) erweitere ich meinen eigenen „Bewegungs-Horizont“, indem ich mich ab und an im eigenen Wohnzimmer an Yoga Posen versuche.

Auch dieses Jahr hatte ich in München das Vergnügen, an einem von Jelenas Workshops teilzunehmen. Ich hatte wieder großen Spaß und habe viel gelernt. Im Anschluss an das Wochenende war Jelena so nett, mir ein paar Fragen rund um das Thema Yoga und Bewegung zu beantworten.

Viel Spaß bei dem Interview mit einer wirklich tollen Frau. Und solltet ihr in Berlin wohnen oder die Gelegenheit haben, einen von Jelenas Workshops zu besuchen, würde ich euch wärmstens empfehlen, Kick Ass live und in Farbe zu erleben (https://www.jelenalieberberg.com/single-post/2018/01/01/-STUNDENPLAN-SCHEDULE-2018-).

Kannst du kurz darauf eingehen, was „Movement“ in deinen Augen bedeutet, wie definierst du Bewegung?

Der Begriff Movement umschreibt ein weites Feld welches auch unterschiedlich interpretiert wird. Bewegung ist Leben. Wer sich nicht bewegt, wird meiner Meinung nach sehr wenig Spaß an seinem Leben haben. Sich zu bewegen ist somit ein lebensnotwendiger Instinkt, dem selbst Säuglinge sobald sie können, nach gehen. Heutzutage ist es ja erwiesen, dass sich ein viele Menschen zu wenig bewegen und an daraus resultierenden Erkrankungen nicht nur an sich selbst, dem System, sondern auch vor den Augen ihrer Liebsten zu Grunde gehen. Das moderne Leben, welches wirklich auch seinen guten Seiten hat, macht dies dem ursprünglichen Jäger und Sammler viel zu einfach möglich: die meisten bewegen sich fast ausschließlich sitzend fort (Auto, Fahrrad, Flugzeug, Zug) und empfinden selbst den Gang zum Bäcker als Last. Das ist schade und ich hoffe, dass ich da als gutes Beispiel voran gehen kann.

Wie sieht in diesem Kontext deine eigene Bewegungspraxis aus? Wie war dein Werdegang?

Ich habe als Teenager mit Leichtathletik begonnen und war 800m Läuferin. Danach kam lange nichts, bis ich nach der Geburt meiner ersten Tochter mit Yoga begonnen habe. Seitdem ist Yoga meine Basis. Vor einigen Jahren bin ich für kurze Zeit in Crossfit-Boxen unterwegs gewesen und heute gehe ich liebend gern bouldern, zum Kampfsport, ab und zum Tanzen und zum Gewichtheben.

Warum glaubst du, dass Yoga das Leben eines jeden Menschen bereichern kann?

Sich auf seine 4 Buchstaben zu setzen oder in den Downdog zu schieben hilft mit sich selbst in Kontakt zu treten, zu gucken „wie geht’s mir eigentlich“ und sich als Ganzes wahrzunehmen, anstelle nur eines schlauen Kopfes, der durch die Welt schwebt. Inne halten, atmen und vielleicht mal den Kreislauf anzukurbeln ist für mich pure Lebensfreude.

Was antwortest du Menschen, die „Berührungsängste“ vor Yoga haben? Menschen, die z.B. meinen, sie seien zu unbeweglich, um Yoga zu machen?

Ich würde nie auf die Idee kommen jemanden zu seinem Glück zu zwingen, jedoch kenne ich diese Ausreden gut und respektiere sie auch, denn der Wunsch zur Veränderung muss von innen kommen. Ich lade die Leute dann freundlich und ganz unverbindlich ein, doch mal zum Schnuppern vorbeizukommen und die Mutigen trauen sich dann auch und sind danach immer begeistert.

Muss man ein spirituell angehauchter Mensch sein, um Yoga machen zu können oder ist es umgekehrt: macht Yoga aus einem einen spirituelleren Menschen?

Für mich war es eher der umgekehrte Weg: Von Außen, dem körperlichen, nach innen. Mein Körper hat nach Geschmeidigkeit gestrebt und mit dieser kam auch eine seelische Ruhe, die ich nicht missen möchte. Viele befürchten ja dass Yoga eine Art Kult ist und man sich auf eine bestimmte Art und Weise verhalten muss und sein wahres Ich verstecken sollte. Sobald dieser Knoten in einem Aha-Moment platzt, wird klar, dass man einfach sich Selbst sein lassen kann und die subtilen Veränderungen, die in eine spirituellere Richtung führen als selbstverständlich aufnehmen kann.

Um bei dem spirituellen Aspekt zu bleiben: Inwiefern ist Yoga für dich nicht nur Sport, sondern auch eine bestimmte Art und Weise, sein Leben zu leben?

Yoga kann Sport und Lifestyle sein. Manche präferieren den sportlichen Aspekt, um den Alltag aus den Knochen zu schwitzen, andere zelebrieren den Lifestyle indem sie sich mit Chakra Postern, Om Symbolen und anderem umgeben. Für mich wird Yoga Lebensübergreifend, indem ich meinen Blick öffne und schule auch die kleinen Dinge zu schätzen, wie zB den blauen Himmel, Vogelgezwitscher usw. Es geht mir dabei nicht, um die perfekte Asana sondern ein glückliches Leben zu führen.

Obwohl Yoga dein Steckenpferd ist, für wie wichtig erachtest du es, eine große Bandbreite an unterschiedlichen Sportarten in deiner Bewegungspraxis zu vereinen? Ich spiele darauf an, dass du auf deinem Blog darüber sprichst, dass du neben dem Yoga bspw. auch Crossfit machst, um an deiner Kraft zu arbeiten.

Es gibt ein ganz tolles Zitat von Schiller, welches über dem Theater in Duisburg, meiner Heimatstadt in großen goldenen Lettern geschrieben steht: „…Wenn du das große Spiel der Welt gesehen, so kehrst du reicher in dich selbst zurück.“. Dieses Zitat habe ich mir von klein auf eingeprägt und finde es besonders passend, um deine Frage zu beantworten: erst wenn ich mich in verschiedenen Disziplinen teste und erlebe, kann ich mehr über mich aussagen als wenn ich stoisch nur 1 verfolge. Ich bin keine Profisportlerin, weshalb ich nicht nur Sportart von morgens bis abends betreiben muss. Die verschiedenen Dinge, mit denen ich experimentiere, bilden für mich ein großes Ganzes, ein Bewegungsspektrum aus dem ich schöpfen kann und mit dem ich Spaß am Spiel habe. Zum Beispiel sorgen meine Klimmzüge und die Kletterei im Kampfsport für einen festen Griff, die Beweglichkeit aus dem Yoga hilft beim Bouldern den Fuß höher anzusetzen… Yoga wiederum entlastet die Festigkeit, die z.B. in denen Beinen durchs Gewichtheben entsteht.

Wie setzt du das selbst in der Praxis um? Hast du vorgegebene Trainingspläne, denen du folgst?

Ich experimentiere gern und bin eher ein Spielkind, als dass ich mich dauerhaft Trainingspläne halten könnte. Mal 3 Monate geht schon, z.B. als ich das Programm von WeAreAthletes mitgemacht habe. Wenn dann mal ein Schnupfen dazwischenkommt oder ein krankes Kind, verzieht sich wieder alles und die Frustrationsgrenze steigt. Der Spaß steht bei mir ganz klar im Vordergrund.

Nutzt du noch andere Methoden, um an deiner Mobilität zu arbeiten oder ist diese ausschließlich ein Nebenprodukt deiner Yogapraxis?

Schon Hippokrates hat gesagt „Wer heilt, hat Recht“. Das lässt sich auch auf z.B. Stretching Methoden übertragen: wer Resultate erzeugt, ist eben erfolgreich in dem was er tut. Yoga hat für ich gewisse Grenzen und will gar keine Profisportler erzeugen, sondern zufriedene, bewusste Menschen, weshalb es sich lohnt auch in andere Konzepte rein zu schnuppern, wie der Stretch Therapy von Kit Laughlin, dem klassischen Turnen oder dem Kontorsionismus. Auf diese Thematik: „This is Not Yoga“ gehe ich auch in meinem neuen Buch KICK ASS ASANAS ein.

Wir bewegen uns in unserem modernen Alltag sicher zu wenig. Andererseits wird unsere Welt immer hektischer und schneller, es fehlt oft an Besinnung. Es scheint, als könne Yoga diesen beiden Herausforderungen begegnen, da im Abschluss eines jeden Kurses Wert auf Entspannung gelegt wird. Macht Yoga tatsächlich ausgeglichener? Nutzt du zusätzlich Entspannungstechniken in deinem persönlichen Alltag?

Yoga hilft auf jeden Fall den Muskeltonus zu harmonisieren, zu lernen wann Spannung relevant ist und wann wir entspannen müssen und wirkt Wunder aufs Nervensystem. Ich nutze regelmäßig Atemmeditationen und vereinzelt auch angeleitete Achtsamkeitssessions, die mir helfen runter zufahren.

Wie kann ein „unbewegter Mensch“ anfangen, mehr Bewegung in sein Leben zu bringen?

Indem Bewegung als nichts außergewöhnliches definiert wird, sondern als Bestandteil des Daseins integriert wird: statt Fahrstuhlfahren, Treppen steigen. Statt Auto fahren, auch mal 20-30 Minuten Fußmarsch einplanen. Es ist auch mittlerweile erwiesen, dass Menschen mit sitzenden Tätigkeiten mindestens 1 Mal pro Stunde aufstehen sollen, um sich die Beine zu vertreten und den Kreislauf in Schwung zu bringen. Eine derart drastische Veränderung wird dadurch erleichtert, sich mit anderen Menschen zusammen zu tun, um gemeinsam diesen Weg einzuschlagen und sich gegenseitig zu motivieren. In eine öffentliche Yogastunde zu gehen, bedarf Mut und Ausdauer um am Ball zu bleiben.

Welche Bewegungen sind für dich essentiell und sollten von jedem beherrscht werden?

Ich schätze Sonnengrüsse sehr und denke, dass alle von diesem Ablauf profitieren können. Dieser lässt sich auch für alle variieren und so anstrengender oder schonender gestalten. In diesem Ablauf sind Dehnungen der rückseitigen Kette dabei, Kräftigung von Rumpf und Beinen und Rückbeugen, um (bei richtiger Ausführung) dem nach vorne Fallen der Schultern und der Versteifung der Brustwirbelsäule entgegen zu wirken.

Machst du bei deinen Yogaklassen Unterschiede zwischen Mann und Frau?

Im Grunde nein. Man könnte meinen Frauen seien beweglicher und hätten mehr Körpergefühl aber da sind sich die Geschlechter mittlerweile erstaunlich nah gekommen. Ich versuche beide da abzuholen, wo sie gerade stehen und das Ziel ist meistens auch bei beiden Geschlechtern gleich: beweglicher und stärker zu werden.

Du bist auf den verschiedenen Kanälen der sozialen Medien sehr aktiv und bietest dort viel kostenlosen Content an. Zudem hast du bereits zwei Bücher veröffentlicht (Kick Ass Yoga und  Kick Ass  Asanas). Was wäre deine Empfehlung, woran sich an Yoga interessierte Menschen zuerst wenden sollten?

Mein neues Buch KICK ASS ASANAS erklärt umfangreich auf Deutsch und Englisch die gröbsten Fehler, die man als Anfänger machen kann und geht auf fortgeschrittenere Posen ein, die Yogis und Nicht-Yogis reizen. Das Buch dient als Inspirationsquelle, um darüber hinaus in Yogastudios zu gehen, sich vielleicht beim Urban Sports Club anzumelden (hier gibt’s mit dem Code: KICKASS18 Rabatt) oder bei YouTube die ersten Erfahrungen zu sammeln (einfach nach KICKASSYOGA suchen). Ich poste, wie Du schon gesagt hast, regelmäßig Übungen, die zum Mitmachen einladen und immer wieder frischen Wind in die eigene Praxis wehen lassen.

 

Mehr über Jelena und Kick Ass Yoga:

Instagram: www.instagram.com/kickassyoga

Website: www.kickassyoga.net

Facebook: www.facebook.com/kickassyoga

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