Bewegung IST essentiell!

Warum überhaupt Bewegung? Um zu verstehen, ob es ein Grundbedürfnis danach gibt, müssen wir in der Zeit zurückgehen und uns das Leben unserer Vorfahren anschauen. Diese hatten unter anderen Lebensbedingungen zu leben als wir es heute in unserer modernen Welt tun. Das Überleben war ein täglicher Kampf. Bezüglich des Selbstunterhalts ist der Mensch besonders gefährdet. Luft, Wasser und Essen sind für das Überleben des Einzellebens von überragender Bedeutung. Eine Existenz ohne diese Stoffe, für ein paar Minuten, wenige Tage oder Wochen ist nicht möglich.

BedürfnissBefriedigung

Genügend Nahrung und Flüssigkeit für sich, seine Familie und seinen Stamm zu besorgen, war daher die oberste Prämisse des frühen Menschen. Hunger und Durst signalisierten, dass es Zeit war, aktiv zu werden. Die erste Motivation, sich zu bewegen entsprang daraus, diese menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen. In diesem Kontext umfasste Bewegung all die Aktivitäten, die notwendig waren, um ein Überleben in der Wildnis zu sichern. Das Ziel war es, sich so bewegen zu können, um reibungslos zu funktionieren.

Unmittelbares Feedback zeigte dem Menschen sofort, welche Art von Bewegung diesen Zweck erfüllte: der selbstgepflückte Apfel durch den geschickten Kletterer, der diesen vom Baum holte beispielsweise. Das erfolgreiche Unterfangen wiederum sorgte für Anreize, diese Fähigkeit zu verbessern: Wer besser auf Bäume klettern konnte, konnte auch die erreichen, die weiter oben wuchsen. Es zeigte sich, dass die Menschen (und Tiere) bessere Überlebenschancen haben sollten, die gesund, beweglich und funktionsgerecht organisiert waren.

Adaptionsfähigkeit zahlt sich aus

Diese Adaptionsfähigkeit erklärt, warum der Mensch eine derartige Erfolgsgeschichte schreiben konnte: er wurde schlichtweg in den Dingen besser, die es ihm ermöglichten, leichter und besser zu überleben. Ein Meilenstein dieser Entwicklung war der aufrechte Gang: Auf zwei Beinen stehend konnte der Steinzeitmensch bei der Suche nach Nahrung besser nach Futter oder Feinden Ausschau halten. Die Hände wurden ihm frei, da diese nicht länger zum Zwecke der Fortbewegung benötigt wurden. Diese frei gewordenen Kapazitäten konnte er wiederum dafür verwenden, Werkzeuge oder Waffen zu nutzen, ein besserer Jäger werden.

Allerdings blieb der Mensch weiterhin ein fragiles Geschöpf: Skelettfunde belegen die Ko-Existenz unserer Vorfahren mit Raubtieren. „Gejagte“ und Sammler wäre daher eine treffendere Bezeichnung als Jäger und Sammler. Im Vergleich mit Raubkatzen bspw. schneidet der zweibeinige Mensch schlecht ab. Er ist schwächer, langsamer, insgesamt physisch unterlegen. Es galt, Strategien zu entwickeln, diesen Raubtieren zu entgehen und sich zu verteidigen. Die Waffe, die dem Menschen die machtvollste wurde und das ermöglichte, war das Gehirn.

die beste Waffe des menschen: das Gehirn

Dank eines großen und leistungsfähigen Gehirns gelang es ihm, komplexere Tätigkeiten auszuüben und er konnte sich damit von den anderen Lebewesen abheben. Der von seinen Anlagen her eigentlich anderen Lebewesen unterlegene, schwächerer Jäger-Mensch katapultierte sich plötzlich an die Spitze der Nahrungskette. Die Fähigkeiten, die er mit der Zeit ausbildete trugen dazu bei, dass ihm die geschickteren, mächtigeren und stärkeren Tiere wie Löwen, Elefanten, Mammuts, etc. weichen mussten.

Besonderheiten der Menschlichen Anatomie

Die Entwicklung, die ihn dahin führte, war verbunden mit großen Auswirkungen auf seine Anatomie: In aufrechter Stellung ähnelt der menschliche Körperbau drei auf den Kopf gestellten Pyramiden, deren jede Spitze auf der Basis der nächsten steht. Der Kopf mit schmalem Hals auf den Schultern, der Oberkörper mit der Taille auf dem Becken, das Becken auf den Füßen. Der Kopf ist mit 4,5 bis 6kg relativ schwer und liegt am höchstmöglichen Ort des Körpers. Dies ist anders als bei Körpern mit einer Pyramidenform. Dort liegt der Schwerpunkt unten und es besteht daher ein stabiles Gleichgewicht. Der menschliche Körper hingegen befindet sich bei idealer aufrechter Stellung in einem labilen Gleichgewicht, das Skelett ist beinahe selbsttragend. Das hat zur Folge, dass unsere Anatomie dynamisch gebraucht werden muss: es ist für uns leichter, uns zu bewegen, als regungslos zu stehen!

Ein weiterer Unterschied zu solchen Körpern, bei denen der Schwerpunkt weit unten liegt (wie das z.B. bei Flugzeugen der Fall ist), ist der, dass der menschliche Körper ein geringes Trägheitsmoment aufweist. Die Körper, die viel Trägheit überwinden müssen brauchen ausreichend Energiezufuhr. Der Start einer Bewegung ist schwerfällig und langsam. Aufgrund des geringen Trägheitsmoments ist bei menschlichen Körpern keine zusätzliche Energie nötig, um die Stellung zu ändern oder um den Körper in eine der fünf Richtungen in Bewegungen zu setzen. Damit sind unsere Körper beweglicher als der irgendeines anderen Tieres, was dem Menschen wiederum evolutionäre Vorteile einbrachte.

Nicht nur sind wir Menschen aufgrund unseres Körperbaus zu flinken und geschickten Bewegungen in der Lage; unser schnelles Gehirns erlaubt uns zudem, durch Lernen neuer Fähigkeiten, qualitativ besser zu funktionieren. Die Möglichkeiten, wie ein Mensch sich bewegen kann, sind schier unermesslich. Die Geschicklichkeit, die wir besitzen, um komplizierte motorischer Aufgaben zu bewältigen, ist einzigartig.

Bewegung liegt in unserer DNA!

Wenn wir also Bewegung als nicht mehr essentiell ansehen, dann beginnen wir, die Evolution auf den Kopf zu stellen. Wir müssen heutzutage nicht mehr für und um Nahrung kämpfen, um zu überleben. Dennoch zeigte sich, dass es uns nur in Kombination mit Bewegung möglich war, ein derart hochentwickeltes Wesen zu werden. Die Geschichte zeigt uns, dass wir durch Bewegung und für Bewegung gemacht sind! Wir haben nicht nur einen Körper, sondern wir sind ein Körper! Bewegung liegt in unserer DNA. Bewegung ist daher nicht nur ein Grundbedürfnis, sondern essentiell!

Ressourcen:

Katy Bowman: Movement Matters

Moshe Feldenkrais: Bewußtheit durch Bewegung

Moshe Feldenkrais: Die Entdeckung des Selbstverständlichen

Yuval Noah Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit

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