Warum gute Vorsätze selten funktionieren

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und es beginnt wieder die Zeit der guten Vorsätze. Viele Menschen nehmen den Jahreswechsel als Anlass, ihre Verhaltensweisen zu überdenken und neue Ziele für sich und ihr Leben zu formulieren.

Wir alle kennen das Phänomen: zunächst startet man motiviert und voller Tatendrang, um sich an seine neuen, guten Vorsätze zu halten. Doch kaum hat uns nach den Feiertagen der Alltag mit all seinen Tücken und Hindernissen wieder, fällt es immer schwerer, sich an seine Pläne zu halten. Warum ist dies aber so und was kann man dagegen unternehmen?!

Willenskraft als sich verbrauchende Ressource

Zunächst einmal müssen wir uns mit der Realität auseinandersetzen, dass es so etwas wie „unbegrenzte Willenskraft“ nicht gibt. Im Gegenteil: der Versuch, Ziele nur mit Willenskraft erreichen zu wollen, sind zum Scheitern verurteilt. Willenskraft ist nämlich nichts, was wie ein Füllhorn allzeit verfügbar und sich stetig erneuernd wäre, sondern etwas, das sich im Laufe der Zeit „aufbraucht“ und nur in einem gewissen Maße zur Verfügung steht. Man kann dies mit einem Muskel vergleichen: beim Krafttraining fallen einem die ersten Wiederholungen noch relativ leicht; je mehr Wiederholungen man aber absolviert, desto mehr Arbeit musste der Muskel verrichten und er ermüdet.

Genau dasselbe passiert, wenn wir nur mit Hilfe von Willenskraft und Selbstkontrolle eine Tätigkeit verrichten. Anfangs fällt dies noch leicht, aber auf Dauer ist dies nicht aufrecht zu erhalten. Erstaunlicherweise bezieht sich das nicht nur auf die Tätigkeit, auf die man sich zunächst fokussiert, sondern die „verbrauchte Selbstkontrolle“ hat auch Auswirkungen auf andere Tätigkeiten, die mit der ursprünglichen nichts zu tun haben, wie folgende Studie untermauert:

Kekse vs. Radieschen

Man teilte College Studenten in zwei Gruppen ein und erzählte ihnen, sie nähmen an einer Studie teil, bei der es um die Erforschung der Sinnes- und Geschmackswahrnehmung von Essen ginge (sprich sie wussten nicht, dass sie eigentlich Versuchskaninchen für die Erforschung von „Willenskraft“ waren). Sie wurden in einen Raum geführt, in dem es besonders gut nach frisch gebackenen Keksen roch und in dem ein Tisch mit zwei Schälchen stand: die eine enthielt Radieschen, die andere die frisch gebackenen Kekse. Eine Gruppe wurde angewiesen, zwei bis drei Kekse zu essen (und sich deren Geschmack und Geruch gut einzuprägen), die Radieschen aber zu verschmähen. Die andere Gruppe sollte gerade das Gegenteil befolgen: Radieschen essen, Kekse links liegen lassen. Alle Studienteilnehmer kamen dieser Versuchsanordnung nach und hielten sich an die Regeln. Willenskraft und Selbstkontrolle taten also ihren Dienst!

Nun folgte aber das eigentliche Entscheidende: direkt nachdem sie den Raum verlassen hatten, sollten die Studenten versuchen, ein (unlösbares) Puzzle zu lösen. Bei der Auswertung der Zeit, die die jeweiligen Teilnehmer damit zubrachten, dieses Rätsel zu lösen, kam Erstaunliches zu Tage: während sich die „Keks-Esser“ immerhin 19 Minuten daran versuchten (und 34 Versuche unternahmen), gaben die „Radieschen-Esser“ bereits nach 8 Minuten (und 19 Versuchen) auf. Offensichtlich waren Letztere nicht in der Lage, ihre Selbstkontrolle aufrecht zu erhalten. Wie ein Muskel war diese bereits dadurch ermüdet, der Keks-Versuchung zu widerstehen.

Zurück zu unseren guten Vorsätzen: wenn wir also versuchen, diese nur durch Selbstkontrolle und Willenskraft durchsetzen zu wollen, haben wir ein Problem. Solange noch genügend Ressourcen vorhanden sind, wird uns dies gelingen, aber sobald die Speicher an Willenskraft sich leeren, werden wir früher oder später scheitern. Sprich: anfangs mag man der Verlockung, nicht in die Keksdose zu greifen, noch widerstehen können, doch je mehr wir uns zwingen müssen, desto schwerer wird uns dieses Unterfangen fallen und früher oder später werden wir uns mit dem Keks im Mund ertappen…

Das heißt nun aber nicht, dass gute Vorsätze und Gewohnheitsänderungen von vornherein gar nicht erst zu unternehmen wären. Wir müssen nur Mittel und Wege finden, diese anzuvisieren, ohne komplett nur auf Willenskraft angewiesen zu sein.

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Richtig Ziele setzen

Zunächst ist es wichtig, sich auf die richtige Art und Weise, Ziele zu setzen. Am erfolgversprechendsten ist es, sich bei der Formulierung eines Ziels an folgende Bedingungen zu halten:

– Schriftliches Fixieren des Ziels in positiver Formulierung und in der Gegenwartsform

– Das Ziel sollte spezifizier- und messbar sein (Statt „ich will abnehmen“ – „Ich wiege 5 kg weniger“)

– Die Zielerreichung sollte mit einer Zeitangabe verbunden sein (bis wann soll dieses Ziel erreicht sein)

– Das Ziel sollte realistisch sein (5kg in einer Woche wäre wenig realistisch)

– die Frage beantworten, WARUM dieses Ziel erreicht werden soll und welche Opfer man dafür aufbringen würde

Das Warum ist wichtiger als das Wie

Gerade der letzte Punkt ist immens wichtig: Indem du dir die Frage stellst, was das konkrete Ziele für dich bedeutet, wird es leichter werden, dieses zu erreichen. Denn nur, wenn du Ziele hast, die etwas in dir auslösen, die dich emotional aufladen, hast du etwas, das dich antreiben wird, diese auch wirklich in die Tat umzusetzen. Das WARUM ist demnach wichtiger als das WIE. Sofern du ein „brennendes Verlangen“ nach einer Sache hast, wird Willenskraft eine untergeordnete Rolle spielen. Und darum geht es hier ja!

Logische nächste Schritte

Danach solltest du dir überlegen, wie die nächsten logischen Schritte aussehen könnten, um deinem Ziel näher zu kommen. Im Sinne von „Wie isst man einen Elefanten? – Einen Biss nach dem anderen“. Welche Verhaltensweisen kannst du etablieren, die zu deiner Zielerreichung führen?

Sofern du abnehmen willst, kannst du dir z.B. vornehmen, ab jetzt mindestens 3 Mal in der Woche für mindestens 30 min spazieren zu gehen und zu jeder Mahlzeit eine große Handvoll Gemüse zu essen. Solche Dinge könntest du in einem „Motivationstagebuch“ festhalten oder in einem Kalender Kreuzchen machen, wenn du etwas geschafft hast, was in deiner Prioritätenliste steht. Wichtig ist es, dass es immer darum gehen sollte „besser zu werden, bessere Entscheidungen zu treffen“ und nicht um Perfektion! Habe dabei immer vor Augen, warum du dieses Ziel unbedingt erreichen möchtest. Fühle dich gut dabei und genieße den Prozess!

In dem Sinne wünsche ich dir einen guten Rutsch ins neue Jahr und viel Spaß beim Umsetzen deiner Ziele und Träume!

Hast du gute Vorsätze für das neue Jahr?

Wie sehen deine Pläne und Ziele aus?

Was tust du, um diese zu erreichen?

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