Schreiben, innere Ordnung und Meditation

Der Plan ist, einen neuen Beitrag zu verfassen. Hier sitze ich nun, mit wirren Gedanken im Kopf und versuche, Ordnung in diese zu bringen. Ordnung, die ständig von meinem Gedankenkarussell durcheinandergewirbelt wird. Eigentlich möchte ich etwas schreiben, doch meine Gedanken machen mir einen Schnitt durch die Rechnung… Der Wille ist da, ebenso wie Ideen, doch kaum geht es zur Sache – Ladehemmung. Unordnung im Bewusstsein, Versagensängste, Perfektionismus um nur einige meiner Feinde zu nennen, mit denen ich mich konfrontiert sehe.

Was also tun? Ich muss Ordnung in mein Bewusstsein bringen. Mein „Monkey Mind“ zum Schweigen bringen. Wie stelle ich das an? Auch eine lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Ich brauche also Methoden und Strategien, die mir helfen, überhaupt „anzufangen“. Genau das war der Plan, als ich den Laptop angeworfen habe: anfangen, einen Artikel über „Meditation“ zu schreiben. Meine gedanklichen Ergüsse haben auf den ersten Blick webig damit zu tun. Aber auf den zweiten Blick offenbart sich vielleicht doch eine Verbindung: ist Meditation denn an sichnichts anderes als Achtsamkeit und Konzentration auf den bestehenden Augenblick? Und erfordert das Schreiben selbst nicht ebensolche Aufmerksamkeit? Könnte ich also durch Meditation meine Probleme lösen, die tobenden Wirbelstürme, die sich in meinen Geist auftürmen, zähmen lernen?

„Projekt Meditation“ um Ordnung zu schaffen

So startete ich das „Projekt Meditation“. Und wie holprig dieses verlief: unvorstellbar, welche Ausreden mein innerer „Monkey“ doch finden wollte, warum ich gerade jetzt, KEINE 10 Minuten dafür opfern könne… Wie lächerlich, denkt man sich, wenn man diese Ausrede hört, denn was sind schon 10 Minuten?! Doch genau so war es. Meditieren, klar, mache ich – später. Oder auch  nicht – keine Zeit mehr dafür!

Ich brauchte also einen „Trick“, um dieser Vermeidungstaktik nicht weiter anheim zu fallen. Somit startete ich die Meditationspraxis morgens bevor ich das Handy, die Mails, die Nachricht gechecked oder mir einen Kaffee gegönnt hatte. Die Ausrede, keine Zeit zu haben, löste sich damit auf und zumindest dieses Problem konnte ich damit ausräumen. Aber ich hatte die Rechnung ohne mein Selbst gemacht, das weiterhin keine Lust dazu verspürte, 10 Minuten regungslos dazusitzen: was noch alles getan werden muss! Wie lange noch? Hier und da kratzt oder juckt es… Ich habe keine Lust mehr! etc… Sollte DAS Meditation sein? Wirklich besser fühlte ich mich nicht, im Gegenteil. Es plagten mich Schuldgefühle und Gedanken, die Meditation einfach nicht „richtig“ gemacht zu haben. Ich war kurz davor, das ganze Projekt als gescheitert wieder zu den Akten zu legen, ehe ich rein zufällig auf zwei Apps für das Smartphone stieß, die versprachen, einem jeden das Meditieren beibringen zu können: Headspace und Calm. Da beide Applikationen kostenfreie Testvarianten anbieten und ich ohnehin der Verzweiflung nahe war, den „Pfad der Erleuchtung“ nie finden zu können, gab ich dem Ganzen eine Chance. Was hatte ich schon zu verlieren? Zugegeben: meine Daten. Beide Anbieter verlangen eine vorherige Registrierung, was ich aber in Anbetracht des verlockend klingenden Angebotes in Kauf nahm. Denn sind es nicht genau die Dinge, die uns am meisten Schwierigkeiten bereiten, denen wir größere Aufmerksamkeit widmen sollten? Ich nahm den Wink mit dem Zaunpfahl also als Einladung dazu an, mich weiter an der Meditation zu versuchen.

Meditieren mit Apps: Headspace und Calm

Zunächst testete ich „Take 10“ von Headspace. Der Erfinder der App, Andi Puddicombe nimmt einen hier mit auf eine 10tägige Einführungsreise in die Welt der Meditation. Die Stimme ist recht angenehm und ruhig, es wird Wert daraufgelegt, die Hintergründe der Mediationstechnik zu begreifen und dass es vor allem nicht darum gehe, einen gedankenlosen Zustand herbeizwingen zu müssen. Der Geist wird vielmehr mit einem blauen Himmel verglichen, an dem auch ab und an Wolken auftauchen und vorbeiziehen. Genauso verhalte es sich mit Gedanken. Diese dürften kommen und gehen, solange man sich nicht an ihnen festklammere. Um das Ganze etwas anschaulicher zu machen, gibt es bei Headspace kleine comic-hafte Video-Einspielungen, die helfen, das Angesprochenen besser zu verstehen. Als Motivationshilfe kann man in einer eigenen Zeitleiste sehen, wie erfolgreich man in den letzten Tagen meditiert hat und bekommt seitens des Anbieters zusätzlich virtuelle Klapse auf die Schulter als Gratulation für erfolgreich absolvierte Meditationssessions. Nach 10 Tagen jedoch ist das kostenfreie Angebot vorbei und Headspace bittet um eine kostenpflichtige Mitgliedschaft, die nicht gerade dürftig ausfällt: knapp 72 € für ein Jahr oder monatlich 9,99 €.

Die weitere App, die ich anschließend testete, heißt Calm und ist ebenfalls als kostenfreie Testversion erhältlich. Die Kanadierin Tamara Levitt begleitet den Meditierenden hierbei für 7 Tage lang, das Ganze nennt sich „7 days of Calm“. Für 59,99 € im Jahr oder 12,99 € ist schließlich das gesamte Sortiment an Mediationen erhältlich: in 21 Tagen zur mehr Gelassenheit gelangen oder Fokussierung  für 7 Tage auf weitere Schwerpunkte wie Dankbarkeit, Selbstvertrauen, besserer Schlaf, etc. Im Gegensatz zu Headspace gibt es bei Calm zusätzlich weitere kostenfreie Angebote wie zwei Geschichten, die beim Einschlafen helfen sollen, Timer für ungeführte Mediationen sowie weitere geführte Meditationen, die den Fokus auf Körperwahrnehmung, Selbstliebe oder Vergebung legen, sowie ein paar Best-of-Meditationen. Hintergrundgeräusche wie Meeresrauchen, Regengeplätscher oder Kaminfeuergeknistere können daneben als Hintergrundgeräusche aktiviert werden. Wie bei dem Konkurrenten Headspace gibt es auch eine Zeitleiste sowie Statistiken über die bereits mit Meditation verbrachte Zeit.

Mein Fazit

Erstaunlicherweise empfand ich dank der Apps eine größere Verpflichtung, mich der morgendlichen Meditation hinzugeben. Es fällt mir auch tatsächlich leichter, mich auf diese 10 Minuten der Stille und Ruhe einzulassen, wenn ich weiß, da ist jemand – wenn auch nur virtuell – der mich dabei begleitet. Die Einführungen und Erläuterungen bei Headspace helfen, einen Zugang zur Meditation zu finden, gerade weil die einzelnen Lektionen aufeinander aufbauen. Die weibliche Stimme bei Calm finde ich persönlich angenehmer als die des Briten Andy bei Headspace, wo mich der Akzent das ein oder andere Mal doch gestört hat. Die Tatsache, dass Calm weitere Meditationen kostenfrei anbietet, ist ebenfalls überzeugend.

Eine weitere Investition von 60 oder 70 € kann ich mir momentan jedoch nicht vorstellen. Zu paradox ist die Vorstellung, für eine Sache, die zu mehr Aufmerksamkeit“ und Gelassenheit führen soll, ständig auf mein Handy angewiesen zu sein – ein Instrument, das ja gerade einen großen Aufmerksamkeitsräuber darstellt. Ebenso irritiert es mich, eine Menge Geld für etwas zu investieren, dass eigentlich Jedermann, egal ob reich oder arm zugänglich ist, braucht man doch nichts als sich selbst und einen Platz, an dem man ungestört sein kann.

Dennoch bieten die kostenfreien Optionen einen ersten guten Schritt hin zu Meditation, wenn man sich zuvor noch nicht damit beschäftigt hat. Gerade für Menschen wie mich, die sich schwer damit tun, mit Dingen zu starten und eine gewisse Führung brauchen, sind diese Apps empfehlenswert. Zudem ist es tröstlich, wenn einem die Stimme aus dem Off versichert, es sei normal, dass die Aufmerksamkeit doch immer wieder von aufkommenden Gedanken gestört werde und es keine „perfekte“ Meditation gäbe. Man wird in diesen Momenten immer wieder daran erinnert, seine Aufmerksamkeit wieder auf den eigenen Atem zu konzentrieren.

Meine eigenen Gedanken schweifen auch allzu oft noch in die Ferne, aber ich habe das Gefühl, diese Momente nun bewusster wahrzunehmen und gelassener darauf zu reagieren. Dennoch gibt es auch solche Tage, an denen es mir gar nicht gelingt, mich auf meinen Atem zu konzentrieren und ich beschäftige mich mit tausend anderen Dingen, während ich in der Meditation sitze. Ich versuche nun aber zu akzeptieren, dass auch das dazugehört und wie bei allem nur Übung den Meister macht.

Nach den 10 Minuten der Meditation fühle ich mich jedenfalls ruhiger und bereit, in den Tag zu starten und es fehlt mir tatsächlich etwas, wenn ich diese an einem Tag einmal auslasse. In Situationen, in denen ich das Gefühl habe, von zu viel Trubel übermannt zu werden, weiß ich, dass ich es selbst in der Hand habe, die Entscheidung zu treffen, an Gedanken festzuhalten oder sie ziehen zu lassen. Ich bin soweit zufrieden mit meinem „Meditations-Experiment“ und ich werde zunächst weiterhin die kostenfreien Calm-Meditationen als Starthilfe nutzen. Ziel ist es , eine Praxis zu verinnerlichen, die ich auch ohne Stützräder bewältigen kann.

Zu weiterführenden Lektüre möchte ich euch noch folgenden Artikel ans Herz legen, wenn ihr wissen wollt, welche weiteren positiven Effekte das Meditieren neben dem Weg zu mehr Gelassenheit und Aufmerksamkeit noch haben kann:

Lange Telomere, langes Leben — Zelloptimierung durch Meditation

Hast du eine Meditationspraxis? Wenn ja, wie sind deine Erfahrungen? Nutzt du Apps?

Published by

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*